Photo credit: Ocean Agency

Riffe in Gefahr – das weltweite Korallensterben

Von Carin Jantzen und Heinz Krimmer.

“Während meines Lebens habe ich den Untergang eines großartigen Ökosystems miterlebt,“ so teilte der Korallen Forscher Roberto Iglesias-Prieto bereits 2008 seine tiefe Sorge über den Zustand der Riffe auf dem Internationalen Korallenriff-Symposium in Fort Lauderdale.

Die Krise der Korallenriffe…

Mehr als 80 Prozent der Korallen in der Karibik sind verschwunden, und das Große Barriere Riff Australiens hat in den letzten 25 Jahren mehr als die Hälfte seiner Korallen verloren. Und noch viel mehr könnten bis zum Ende dieses Jahrhunderts eingehen.

“Zum ersten Mal könnte ein ganzes, weltweit verbreitetes Ökosystem, das Millionen von Arten und Menschen ernährt, durch die Hand des Menschen verloren gehen”, bringt es die International Society for Coral Reefs – das Sprachrohr der Korallen Forscher*innen – auf den Punkt (Rebuilding Coral Reefs – A Decadal Challenge).

Large coral cemetery, US VirginIsland, photo credit: Richard Ross.

Coral crisis is our crisis, photo credit: Heinz Krimmer.

…ist unsere Krise

In einer Welt ohne Korallenriffe wäre nicht nur das unglaublichste Ökosystem unserer Ozeane zugrunde gegangen, sein Verlust wäre auch eine ökologische und wirtschaftliche Katastrophe. Die Forscher*innen einer 2021 veröffentlichten Studie befassen sich mit dem dramatischen Rückgang der Produktivität der Riffe: „Unsere Studie zeigt, dass die Fähigkeit der Korallenriffe die Ökosystemleistungen zu erbringen von denen Millionen von Menschen weltweit abhängig sind, seit den 1950er Jahren um die Hälfte zurückgegangen ist.“ Und wenn die Riffe verschwinden, sind die Menschen vor Ort den negativen Auswirkungen des Klimawandels noch stärker ausgesetzt.

…ist unsere Krise

In einer Welt ohne Korallenriffe wäre nicht nur das unglaublichste Ökosystem unserer Ozeane zugrunde gegangen, sein Verlust wäre auch eine ökologische und wirtschaftliche Katastrophe. Die Forscher*innen einer 2021 veröffentlichten Studie befassen sich mit dem dramatischen Rückgang der Produktivität der Riffe: „Unsere Studie zeigt, dass die Fähigkeit der Korallenriffe die Ökosystemleistungen zu erbringen von denen Millionen von Menschen weltweit abhängig sind, seit den 1950er Jahren um die Hälfte zurückgegangen ist.“ Und wenn die Riffe verschwinden, sind die Menschen vor Ort den negativen Auswirkungen des Klimawandels noch stärker ausgesetzt.

Coral crisis is our crisis, photo credit: Heinz Krimmer.

Unsere Welt im Klimawandel

Die Meere nehmen immer mehr Kohlendioxid (CO2) aus der Luft auf und da Wasser mit Kohlendioxid zu Kohlensäure reagiert, werden unsere Meere saurer. Diese Ozeanversauerung erschwert den Korallen den Kalkaufbau, sie benötigen mehr Energie, um die massiven Strukturen ihrer Kalkskelette aufzubauen und wachsen daher langsamer. Wenn sich ein Riff nach einer Störung regenerieren soll und die zunehmende Algen-Konkurrenz den Korallen das Leben schwer macht, ist ein langsames Wachstum äußerst ungünstig. Wissenschaftler untersuchen in den “Champagner-Riffen” wie sich saures Meerwasser auf die Korallen auswirkt.

Gleichzeitig werden unsere Meere wärmer. Riffbildende Korallen beziehen einen Großteil ihrer Energie, sprich ihre Nahrung, von ihren Algen Symbionten. Erhöhte Wassertemperaturen stören diese Symbiose und es kommt zur sogenannten Korallenbleiche (coral bleaching). Dauert der Hitzestress an, sterben immer mehr Korallen. Ohne Korallen verschwindet auch die Riffstruktur. Innerhalb von Jahren erodieren die Überreste der Kalkskelette, die unzählige Korallenpolypen aufgebaut haben, und der Meeresboden wird zu einer flachen Wüste. Durch den fehlenden Schutz der Riffe sind dann die Küsten der Wucht der Wellen schutzlos ausgeliefert.

Champagne Reefs, photo credit: Katharina Fabricius.

Warmer waters let coral bleach, Australia, photo credit: XL Catlin Seaview Survey.

Bleaching Caribbean 1, photo credit: SECORE.

Bleaching Caribbean 2, photo credit: SECORE.

Was ist die Korallenbleiche?

Die meisten riffbildenden Korallen leben in Symbiose mit einzelligen Algen, den Zooxanthellen. Die Algen tragen wesentlich zur Ernährung der Korallen bei, denn sie geben die durch Photosynthese umgewandelte Energie der Sonne in Form von Nahrung an die Korallen weiter. Steigt die Wassertemperatur, produzieren diese Algen Stoffe, die auf die Korallen giftig wirken und sie zwingen, ihre Symbionten abzustoßen. Danach wirken die Korallen wie gebleicht, ihr weißes Kalkskelett scheint durch das Gewebe. Es ist gespenstisch, in einem solchen Riff unterwegs zu sein – wo einst buntes Leben war, herrscht nun weiße Stille.

Wenn die Temperaturen bald wieder sinken, können die Korallen neue Algen-Symbionten über das Meerwasser aufnehmen und sich erholen. Dauert der Stress zu lange an, sterben die geschwächten Korallen. In den letzten Jahren sind solche Bleichen weltweit in immer kürzeren Abständen aufgetreten. Den Korallen bleibt keine Zeit mehr, sich zu erholen. 2024 gibt es erneut eine Korallenbleiche im Großen Barriereriff – es ist das fünfte katastrophale Ereignis dieser Art innerhalb von nur acht Jahren (The Guardian).

Was ist die Korallenbleiche?

Die meisten riffbildenden Korallen leben in Symbiose mit einzelligen Algen, den Zooxanthellen. Die Algen tragen wesentlich zur Ernährung der Korallen bei, denn sie geben die durch Photosynthese umgewandelte Energie der Sonne in Form von Nahrung an die Korallen weiter. Steigt die Wassertemperatur, produzieren diese Algen Stoffe, die auf die Korallen giftig wirken und sie zwingen, ihre Symbionten abzustoßen. Danach wirken die Korallen wie gebleicht, ihr weißes Kalkskelett scheint durch das Gewebe. Es ist gespenstisch, in einem solchen Riff unterwegs zu sein – wo einst buntes Leben war, herrscht nun weiße Stille.

Wenn die Temperaturen bald wieder sinken, können die Korallen neue Algen-Symbionten über das Meerwasser aufnehmen und sich erholen. Dauert der Stress zu lange an, sterben die geschwächten Korallen. In den letzten Jahren sind solche Bleichen weltweit in immer kürzeren Abständen aufgetreten. Den Korallen bleibt keine Zeit mehr, sich zu erholen. 2024 gibt es erneut eine Korallenbleiche im Großen Barriereriff – es ist das fünfte katastrophale Ereignis dieser Art innerhalb von nur acht Jahren (The Guardian).

Bleaching Caribbean 1, photo credit: SECORE.

Bleaching Caribbean 2, photo credit: SECORE.

Schwächung der Riffe im letzten Jahrhundert?

Tropische Inseln und Küstengebiete werden intensiv wirtschaftlich genutzt. Umgekehrt greifen Schäden an den Riffen unmittelbar in das Leben der Bevölkerung ein.

Die Rodung tropischer Regenwälder, Rohstoffgewinnung und Baumaßnahmen an der Küste verursachen starke Sedimenteinträge durch Wind, Regen und Flüsse ins küstennahe Meer. Ins trübe Wasser dringt weniger Sonnenlicht, es gibt weniger Sauerstoff, und die Korallen verhungern oder ersticken. Verunreinigungen und Abwässer aus Landwirtschaft, Aquakulturen und der Tourismusindustrie schwemmen Giftstoffe ins Meer und fördern durch Überdüngung das Wachstum der Algen im Riff – Konkurrenten um Platz und Licht für die Korallen und ihre Symbionten.

 Die Nahrungsnetze verändern sich. Bei direkt genutzten Ressourcen wie der Fischerei brechen Erträge ein. Aber auch die Überfischung ist eine weitere Bedrohung für die Riffe: Das “Herunterfischen mariner Nahrungsnetze” ist inzwischen ein etablierter Begriff. Man fängt bei den großen Raubfischen an und hört bei den kleinen Algenfressern auf – bis praktisch nichts mehr übrig bleibt, nur das leere Riff. In vielen Korallenriffen finden sich heute nur noch etwa 10 % der ursprünglichen Menge an Fischen. Das hat natürlich Konsequenzen – die Fischer haben nicht mehr genug Einkommen und der Bevölkerung fehlen die Proteine aus dem Riff bei ihrer Ernährung.

Surgeon fish in a gillnett, photo credit: Heinz Krimmer.

Sewage pipe from a hotel in KohTao, Thailand, photo credit: Heinz Krimmer.

Intact elkhorn coral stand, photo credit: Paul Selvaggio.

Remains of elkhorn coral skeletons, photo credit: SECORE.

Diadema antillarum, photo credit: SECORE.

Die karibischen Riffe – ein menschengemachtes Schicksal

Den Riffen in der Karibik geht es schlecht. Zunehmender menschlicher Einfluss und Krankheitswellen, die zum Massensterben ökologischer Schlüsselarten führten, haben die karibischen Riffe erheblich geschwächt. Einst dominierten die Elchgeweih-Koralle (Acropora palmata) und die Hirschgeweih-Koralle (A. cervicornis) die flachen Riff Bereiche der gesamten Karibik. Sie sorgten dabei für einen sich erhaltenden Küstenschutz. In den letzten Jahrzehnten sind ihre Bestände drastisch zurückgegangen, und heute sind mehr als 90% dieser wichtigen Riffbauer verschwunden – beide Arten gelten nach der „Roten Liste der IUCN“ als stark gefährdet (critically endangered).

Bekannt ist auch das Schicksal der Diadema-Seeigel, wichtige Graser (“grazer”), um die Algen-Konkurrenz für die Korallen klein zu halten. Ihre Populationen brachen Mitte der 80er Jahre ein, mehr als 98% der Diadema-Seeigel verschwanden und die Populationen haben sich bis heute nicht erholt.

In den letzten Jahren kam eine weitere Bedrohung für die Korallen dazu, die insbesondere bisher resistente Arten krank werden lässt, die “Stony-Tissue-Lost-Disease“ . Die Krankheit verbreitet sich unaufhaltsam in der Karibik und endet für die betroffenen Korallen fast immer tödlich.

2023 kam es dann zu einer Monate lang andauernden, katastrophalen Hitzewelle in der Karibik, welche eine massive Bleiche der Korallen verursachte. Aufgrund der Schwere dieser Hitzewelle und ihrer Dauer konnten sich viele Korallen nicht erholen und starben.

Die karibischen Riffe – ein menschengemachtes Schicksal

Den Riffen in der Karibik geht es schlecht. Zunehmender menschlicher Einfluss und Krankheitswellen, die zum Massensterben ökologischer Schlüsselarten führten, haben die karibischen Riffe erheblich geschwächt. Einst dominierten die Elchgeweih-Koralle (Acropora palmata) und die Hirschgeweih-Koralle (A. cervicornis) die flachen Riff Bereiche der gesamten Karibik. Sie sorgten dabei für einen sich erhaltenden Küstenschutz. In den letzten Jahrzehnten sind ihre Bestände drastisch zurückgegangen, und heute sind mehr als 90% dieser wichtigen Riffbauer verschwunden – beide Arten gelten nach der „Roten Liste der IUCN“ als stark gefährdet (critically endangered).

Bekannt ist auch das Schicksal der Diadema-Seeigel, wichtige Graser (“grazer”), um die Algen-Konkurrenz für die Korallen klein zu halten. Ihre Populationen brachen Mitte der 80er Jahre ein, mehr als 98% der Diadema-Seeigel verschwanden und die Populationen haben sich bis heute nicht erholt.

In den letzten Jahren kam eine weitere Bedrohung für die Korallen dazu, die insbesondere bisher resistente Arten krank werden lässt, die “Stony-Tissue-Lost-Disease“ . Die Krankheit verbreitet sich unaufhaltsam in der Karibik und endet für die betroffenen Korallen fast immer tödlich.

2023 kam es dann zu einer Monate lang andauernden, katastrophalen Hitzewelle in der Karibik, welche eine massive Bleiche der Korallen verursachte. Aufgrund der Schwere dieser Hitzewelle und ihrer Dauer konnten sich viele Korallen nicht erholen und starben.

Intact elkhorn coral stand, photo credit: Paul Selvaggio.

Remains of elkhorn coral skeletons, photo credit: SECORE.

Zitierte Literature:

  1. Washington Post (2021, July 24): Coral reefs face disaster from climate change if we don’t curb greenhouse gas emissions, report says.
  2. Eddie, T.D. et a. (20231): Global decline in capacity of coral reefs to provide ecosystem services.
    (Coral reef productivity has been going down since the 1950s)
  3. Fabricius, K. et al. (2011): Losers and winners in coral reefs acclimatized to elevated carbon dioxide concentrations (Studying the effect of ocean acidification in champagne reefs).
  4. The Guardian (2024, March 8): Fifth mass coral bleaching event in eight years hits Great Barrier Reef, marine park authority confirms.
  5. Pauly, D. et al. (1998): Fishing down marine food webs: an update. 
  6. Lessios, H.A. (2016): The Great Diadema antillarum Die-Off: 30 Years Later.
  7. Coral Disease Health Consortium (2023): Stony Tissue Loss Disease.
  8. NBC News (2023, October 22): Extreme ocean temperatures threaten to wipe out Caribbean coral.
  9. International Panel on Climate Change IPCC (2023): AR6 Synthesis Report: Climate Change 2023.
Korallenriffe benötigen unsere Hilfe – wie können wir sie retten?

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Korallen existieren seit Millionen von Jahren, aber jetzt ist ihre Zukunft in Gefahr. Besseren Schutz allein reicht nicht mehr aus, um ihr Überleben im großen Maßstab zu gewährleisten. Der Kampf gegen den Klimawandel hat höchste Priorität und liegt auch in unserem eigenen Interesse. Lokale Stressfaktoren wie Überfischung und Verschmutzung müssen beseitigt werden. Gleichzeitig müssen die Riffe aktiv durch Restaurierungsmaßnahmen unterstützt werden.

Korallenriffe im Angesicht des Klimawandels

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Korallen bilden die Grundlage für ein ganzes Ökosystem, sie bauen das Riff selbst. Viele der Riffbewohner leben in einer engen Beziehung zu den Korallen und zueinander, somit erhält sich das Riff auch selbst!

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